Von der Erschaffung der Welt

Einstmals war das weite Meer

Ohne Insel noch und Strand,

Flut wie Ebbe unbekannt.

Hoher Himmel tot und leer.

 

Swantowit, das Viergesicht,

Herr des Feuer und der Glut,

Warf den Schatten auf die Flut,

Schied das Dunkel so vom Licht.

 

Teilte so der Götter Stamm.

Weles wurde und Svarog,

Der im Schiff das Meer durchzog,

Da zur Tiefe jener schwamm.

 

Sprach zu Weles so Svarog:

„Schaffen wir uns festes Land,

Hol’ vom Grunde etwas Sand!“

Dreimal tauchte er und trog,

 

Körner bergend in dem Mund,

Seinen Bruder. Der gebeut:

„Alles, was im Ring gestreut,

Werde Land im Erdenrund.

 

Fruchtbar, was die Tiefe lieh.“

Fels indes und kahler Berg

Wurde, was zu eignem Werk

Weles auf das Wasser spieh.

 

Beide saßen bald am Strand

Einer Insel. Svarog schlief.

Weles hob ihn auf und lief

Nach dem Meere, doch das Land

 

Wehrte Weles’ böse Tracht,

Und bei jedem weitren Schritt

Wuchs und dehnte es sich mit,

Bis der lichte Gott erwacht.

 

„Sieh, wie groß ist unser Land“,

Sagte Weles. Doch Swarog

Sprach zu ihm: „Im Traume zog

Ich es selbst am Himmelsrand.

 

Ob der Himmel noch bespannt

Unsre Erde, sorge ich.“

„Nicht um Weisheit sorge dich,

Die allein nur mir bekannt.“

 

So sprach Weles, doch Swarog

Schuf, als jener lag im Traum,

Eine Biene, die vom Baum,

Von der Blüte niederflog.

 

Weles’ Schulter galt ihr Flug.

Hörte dort, wie jener leis

Sagte: „Mit dem Stabe weis’

Jede Richtung, und genug

 

Sei der Erde, und ihr gleich

Sei der Himmel, ihr vermählt,

Mit den Sternen ungezählt,

Jedes habe sein Bereich.“

 

Und Swarog ergriff den Stab:

Wie die Biene tat ihm kund,

Maß die Dinge er im Rund,

Denen er die Namen gab.

 

Weles wurden so zur Hut

Wasserflut und Unterwelt,

Swantowit das Himmelszelt,

Und Swarog der Erde Gut.