Das Orakel zu Rethra

Ich schritt im Volk auf breiten Wegen,

Ich bahnte mir den schmalen Pfad:

Zu Rethra wollt ich Heil und Segen

Erfragen für die eine Tat.

 

Im Nebel ragt die Palisade

Der Inselstadt aus schwarzem Moor.

„Tritt ein, du Fremder, sieh, ich lade

Von nah und ferne“, sprach vom Tor

 

Ein Haupt, das war aus reinem Golde.

Hier sah ich Männer wimmeln, voll

Beladne Wagen fahren, holde,

Geschmückte Frauen; Lachen scholl

 

Herüber durch die Nacht. – Leisen,

Gemessnen Schritts trat ich beiseit

Und hört ein Angesicht von Eisen

Vom zweiten Tore: „Sieh, wie breit

 

Des Fürsten Weg, des ich als Zeichen

In Treue warte.“ Und ich sah

Das Volk vor der Standarte weichen,

Sobald des Königs Wunsch geschah.

 

Da wandt’ ich schließlich mich zum dritten:

Von jenem Tore sprach ein Mund,

Der war aus grobem Holz geschnitten

Und gab zum Gruße dieses kund:

 

„Wenn du den kargen Weg der Suche

Zu wandern wagtest, wag die Quest.

Dem einen Heil, dem andern Fluche,

Genesung schafft sie und Gebrest.“

 

Ich ging hindurch, und auf Geweihen

Und Hörnern aufgerichtet stand

Der Tempel, wo die Opfer feien

Mit Fleisch und Blut ein ganzes Land.

 

Der Priester winkte mich zum Schimmel,

Der, je wie er die Hufe stellt,

Erzeigt, ob dem, der über Himmel

Und Erde waltet, wohlgefällt,


Was zweifelnd wir von ihm erfragten.

Ich stand und schaute, wie das Roß

Auf Speeren, die im Kreuze ragten,

Durch seinen Schritt den Rat beschloß.

 

„Gleich dreimal trat es mit dem Linken“,

So sprach der Priester ernst und sacht,

„Und wo einst Rethra wird versinken,

Weiß niemand mehr nach letzter Schlacht.

 

Dies tat Svarožić durch die Schritte

Des Rosses dar, der Sonne Sohn,

Doch einen aus der Speere Mitte

Nimm hin zum Kampfe ohne Lohn.“

 

Und als ich sann, was ich verloren,

Die Waffe wägend in der Hand,

Ward ich zum Walter auserkoren

Für späten Traumes Götterland.