Das Geschenk der Querxe

Es hat ein Weib geboren

Ein leichenblasses Kind;

Man gab es schon verloren,

Das Mädchen bleich und blind.

 

Die Mutter lag am Feuer,

Das matt im Ofen loht’ –

Da sah sie das Gemäuer

Sich öffnen nah am Schlot.

 

Ein Querx trat in das Zimmer,

Sein Bart war lang und grau,

Er sprach: „Es wird dich nimmer

Gereuen, gute Frau,

 

Erlaubst du sieben Zechern

Zu tafeln hier mit Wein

Und Bier aus goldnen Bechern

Bei deinem Kindelein.“

 

Sie nickte nur und schaute,

Wie in geschwindem Lauf

Ein zweiter kam und baute

Ein Tischlein vor ihr auf.

 

Und dann der dritte, vierte

Mit Teller, Faß und Krug

Soviel der reich gezierte,

Der volle Tisch nur trug.

 

Da war ein lustig Singen

Im hellen Kerzenschein,

Ein frohes Gläserklingen

Im armen Kämmerlein.

 

Doch plötzlich eine Stimme

Erscholl vom dunklen Tor:

„Ich trage eine schlimme,

Gar grause Botschaft vor:

 

Die Ahnfrau ist verstorben,

Die alte Mutter tot!

Das Glück ist uns verdorben,

Verloschen in der Not.“

 

Da sagt’ der Querx im Leide

Der jungen Mutter Dank:

„Nimm dies, bevor ich scheide,

Verwahr es wohl im Schrank.“

 

Und gab ihr Brot und Becher,

Legt einen Ring dabei.

„Durch Zimmer und Gemächer

Bald wandle sorgenfrei.

 

Dein Kindlein wird gesunden,

Mit Äuglein hell und klar.“

Und schon war er verschwunden,

Mit ihm die ganze Schar.

 

Und also wie gesprochen,

Geschah’s in Haus und Haag:

Sein Wort ward nicht gebrochen,

Beharrte Jahr und Tag.

 

Das Ringlein und die andern

Geschenke ließ man sacht

Zu Kind und Enkel wandern

Und nahm sie wohl in Acht.

 

Doch einst in späten Zeiten

Ging eine Frau zum Bad,

Am Ufer ließ sie breiten

Der Kleider bunten Staat,

 

Und schwamm hinaus im Flusse

Und gab so schön und bar

Den Leib ihm preis zum Kusse,

Der Welle Spiel im Haar.

 

Es fing schon an zu dunkeln,

Als sie ans Ufer ging.

Da mißte sie ein Funkeln:

„Wo ist mein goldner Ring?“

 

Nur kleine Steine rieseln

Der Herrin durch die Hand,

Fand außer blanken Kieseln

Am Strande nichts im Sand.

 

Nach Hause eilt sie schnelle,

Dort wartet ihr Gemahl

In Sorge auf der Schwelle,

Ist leichenblass und fahl.

 

Er weist ihr eine Scherbe:

„Zerbrochen ist, was lang

Behütet war als Erbe.“

Sein Wort ist ohne Klang.

 

„Das Brot, von dem wir essen,

Vom Hunger nie geplagt –

Von Mäusen ist’s zerfressen,

Des Querxen Brot zernagt.“

 

Die Frau ging in die Fremde,

Als bald der Mann verstarb,

Sie saß am Weg im Hemde,

Da alles Heil verdarb.