Auf ein verschollenes Kultbild

So wird überliefert,

Daß zu Oehna,

Einem bei Bautzen gelegenen Dorfe,

Ein Bildnis des Gottes Flins gestanden habe:

Einem riesigen Totengerippe gleich,

Mit einer Schale in der Hand,

Auf der Feuer entzündet wurden,

Und einem grässlichen Löwen auf der Schulter.

 

Eine steile Schlucht

Sei hinter dem Götterbilde

Zur Spree hinunter abgefallen,

In deren Tiefe

In düsteren Höhlen

Des Gottes Priester gehaust

Und gewaltige Schätze

Gehütet hätten.

 

Opferfeuer

Hätten hier gelodert,

Mit ihrem Rauche das Standbild geschwärzt,

Aber zuweilen auch Vögel genistet

In den toten Augen des Gottes,

Dessen Antlitz

Von ihrem Kote

Betrauft war.

 

Recht sei gesprochen, Strafe verhängt,

Winters das werdende Licht gefeiert worden.

Und seine Schuld zu büßen,

Habe mancher

In grauer, unvordenklicher Zeit

Auf Knien den Weg

Zum schwarzen Berge durchmessen,

Zum Tschernebog.

 

Nun aber,

Da wir durch das verfallene,

Von wildem Gesträuch überwachsene Dorf geschritten waren,

Sahen wir grüne Inseln

Im glänzenden Wasser liegen.

Der weite See hat das Kultbild zu sich genommen,

Um seine dunklen Feste zu bergen,

Und spiegelt heiter den Himmel.