Böhmische Kultfahrt

I.

An Mokosch


Nachts läutet der Zug durch das wendische Land.

Wälder wehen vorbei, ziehende Fernen.

Hält ihre Hand

Die Göttin über das Tal unter Sternen?

 

Der Suchende wallt gleich kleinen Scharen

Von Pilgern nach dem Hügel hin,

Die mit ihm gefahren,

Gewandert sind, nach Mokoschin.

 

Oft verhielten die Züge auf rostbraunem Gleise,

Männer standen beisammen, wie Glas

Der durchfurchte Blick; immer gleich war die Reise,

 

Wie Bahnsteige, die leeren und vollen: Ich saß

Beim Gefährten, und was wir bringen wollen, sprach ich leise

Mit ihm: der Göttin zum Preise?


II.

Einzug der Preisenden

Für Chotebud

 

Trommeln dröhnen und Drommeten –

Schweigend fassen sich zu zweien

Jene, die den Hain betreten,

Waldgeborgnen Ort der Weihen.

 

Priester helle Fackeln tragen,

Frauen leise Lieder singen;

Schon sieht man den Pfeiler ragen,

Den im Kreise wir umschlingen.

 

Da der Göttin Bild von Eiche:

Jeder gieße ihr zum Preise

Aus dem Horne Met und reiche

 

Es dem Nachbarn froher Weise.

Jeder spricht zum Lob das gleiche –

Einer nicht, auf weiter Reise.